Anton (11) wartet nachts auf die Zeitung – und schreibt ein eigenes Blatt

Von Oliver Volmerich

Der elfjährige Anton ist ein Zeitungsfan. Er muss die aktuellste Ausgabe der Ruhr Nachrichten immer als Erster in der Hand haben. Mittlerweile macht er sogar täglich eine eigene Zeitung.

Der innere Wecker sagt ihm, wann der Zeitungsbote naht. Anton (11) kann die aktuellsten Nachrichten kaum erwarten. Er muss sie als Erster im Haus in der Hand haben. Nicht selten krabbelt er dann sogar aus seinem Bett im Kinderzimmer und setzt sich mit der Jacke in den Flur, um nach draußen zu spähen.

Irgendwann muss doch der Bewegungsmelder der Außenbeleuchtung bei den Nachbarn verraten, dass der Zusteller die Straße in Lichtendorf heruntergeht: „Wenn es da leuchtet, dann weiß ich, dass er kommt.“

Eltern fanden die Einzelteile der Zeitung im Kinderzimmer

Hat er die druckfrischen Ruhr Nachrichten endlich in der Hand, studiert Anton erst einmal den Inhalt, bevor er sich wieder aufs Ohr legt. Manchmal macht auch der jüngere Bruder Theo (8) schon mit bei der nächtlichen Aktion. Sie ist nicht heimlich wie früher das Karl-May-Lesen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke – für dieses Versteck wäre eine Zeitung auch ein bisschen unhandlich.

Die Eltern wissen vertrauensvoll Bescheid von dem, was ihnen nicht verborgen bleiben kann. „Manchmal muss ich die Einzelteile der Zeitung im Kinderzimmer zusammensuchen“, berichtet Vater Udo Grienke. Dann hat der Schlaf seinen Sohn wohl zu schnell wieder übermannt: „Manchmal liegt sie aber auch schön gefaltet auf dem Tisch.“

Und eines Tages wurde der Vater beim Aufstehen noch mehr überrascht: An seinem Bett lag das druckfrische Exemplar einer eigenen Zeitung, die Anton selbst gestaltet. Denn der Elfjährige ist mittlerweile vom Zeitungsfan zum Jungjournalisten geworden.

Täglich neu erscheint sein Blatt, das noch keinen Titel hat. Als traditionelle ausgedruckte Ausgabe erhält es nur die engste Familie. An alle anderen Freunde und Verwandten wird es zeitgerecht per E-Mail verschickt, für die eigens ein kleiner Verteiler eingerichtet worden ist.

Leser antworten mit Anregungen

Besonders freut sich Anton dann, wenn ihm Leser mit Lob oder Kritik antworten. „Das zeigt die Wertschätzung“, erklärt Mutter Andrea Grienke. Beispielsweise, wenn angeregt wird, dass man bei dem einen oder anderen Thema ein wenig mehr ins Detail gehen könnte.

Auf ihren Wunsch hin fanden treue Kunden auch mal ein Rätsel oder ein Sudoku auf den Seiten. Und für Oma und Opa gab es extra eine seniorengerechte Ausgabe in größerer Schrift.

Themenideen aus der Tageszeitung werden aufbereitet

„Wir sind alle Ruhr-Nachrichten-Leser“, bekennt Andrea Grienke. Der eifrigste davon ist in der Familie aber ihr Sohn Anton. Für ihn ist die Tageszeitung auch immer eine Ideen-Fundgrube für sein eigenes Blatt. Themen, die im interessant erscheinen, greift er auf, kopiert oft ein paar Sätze und schreibt hin und wieder noch etwas dazu.

Für seine Leserschaft aufbereitet, fanden sich so zuletzt Kurzberichte über die „Helden der Pandemie“, das gesunkene indonesische U-Boot und die Ausgangssperre in Dortmund im Kriegsjahr 1945. Auch ein Blick zum BVB samt Bundesliga-Tabelle und eine Straßensperrung in Aplerbeck fehlen nicht.

 Alles, was man so wissen muss, gibt es auf sechs Seiten DIN A4. Dort fanden sich auch schon komplett selbst recherchierte Artikel wie über die Müllentsorgung im Stadtteil – bebildert mit einem Foto der Abfalltonnen der Nachbarn.

Die Idee entstand im ersten Corona-Lockdown

Wurden die ersten Ausgaben noch als eine Art Collage aus ausgeschnittenen Zeitungsberichten zusammengeklebt, so entsteht mittlerweile alles am Computer. An dem ist Anton noch fitter geworden, seit er den halben Tag im Homescooling vor dem Bildschirm verbringt. Wegen des Corona-Krise war er in diesem Jahr erst fünf Tage in der Europaschule am Hauptfriedhof, zu der im vergangenen Sommer nach der Grundschulzeit gewechselt ist.

Seine neuen Klassenkameraden sah er bislang noch nie ohne Maske. Über dieses Thema war aber noch nichts in der eigenen Zeitung zu lesen, die ihr Entstehen dem ersten Lockdown mit viel freier Zeit verdankt. Dafür ist eine Sonderausgabe in der Planung – der Muttertag naht mit Riesenschritten.

BU2: Von der Oscar-Verleihung bis zum BVB-Kapitän Marco Reus und der Ausgangssperre in Dortmund 1945 deckt Anton Grienke (11) in der druckfrischen Ausgabe seiner eigenen Tageszeitung ein breites Themenfeld ab.

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